Ein Zuhause für alte Menschen

Details vortrag haebel hp1Ulf Häbel stellt Modell von Nachbarschaftsfamilien vor

Es gibt Begriffe, die inzwischen zum gesellschaftlichen Bestand gehören wie die Kirche zum Dorf. Der vom "demografischen Wandel" ist so ein Stichwort. Es ist kaum noch aus einer politischen Debatte wegzudenken, wenn es um die Zukunft von Deutschland geht. Auch Kirche kann ein Lied davon singen. Die Anzahl "der Schäfchen" schrumpft und die Mitglieder sind überwiegend ältere Menschen. Doch statt die Zustände zu beklagen hat Ulrich Häbel beschlossen etwas gegen diese Entwicklung zu tun. Der umtriebige Pfarrer im Ruhestand ist ein Tausendsassa. Jahrelang war er Seelsorger im Vogelsberg, wo er auch einen kleinen Bauernhof betreibt. In dem Dorf Freienseen hat Häbel ein spannendes Projekt ins Leben gerufen: Das Vogelsberger Seniorennetzwerk e.V. Dieses Projekt hat sein Zuhause in einen einst leer stehendem Gebäude. Im Vogelsberg sind viele Gebäude verwaist. Die jungen Menschen sind fortgezogen um Arbeit zu finden. Für Ulf Häbel war irgendwann klar: hier muss Kirche aktiv werden. "Wenn die Herkunftsfamilie als Lebensraum, in dem man alt werden kann und Hilfe erfährt, wegfällt, dann kann das Modell der Nachbarschaftsamilie diese Funktion übernehmen", so Häbel. In seinem kurzweiligen und freigehaltenen Vortrag unter dem Titel vortrag haebel hp2"Leben und Sterben, wo ich daheim bin", stellte er vor rund 40 Zuhörern im Mehrgenerationenhaus in Groß-Zimmern das Konzept vor. "Das Wort Alt definiere ich für mich so: am Leben teilhaben!" Damit diese Teilhabe vor Ort gelingt, habe er Betroffene angesprochen, und seine Ideen Politikern und Investoren vorgestellt. Kein einfaches Unterfangen, wie Häbel mit einem Schmunzeln betont. In dem Haus der Begegnung, das sich derzeit im Auf- und Umbau befindet, soll ein Dorfladen untergebracht werden, eine Tagesbetreuung für Demenzkranke stattfinden und ein Arztzimmer für Krankengymnastik eingerichtet werden. Geplant sind ferner Zimmer für "betreutes Wohnen" sowie kulturelle Angebote. Die Alten sollen aber nicht unter sich bleiben, so Häbel. Wohnen, gemeinsam kochen und erzählen, sei eine generationsübergreifende Aufgabe. "Die Ziele der Nachbarschaftshilfe lassen sich in drei Worten fassen: treffen, helfen und vermitteln." Und das tut Ulf Häbel mit seinen inzwischen 70 Jahren. Für seinen authentischen und anregenden Vortrag erhielt er viel Applaus von den Zuhörern, die am Schluß noch Gelegenheit hatten Fragen zum Projekt zu stellen.
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